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Interventionelle Schmerztherapie | Schmerzarten


Die verschiedenen Schmerzarten

Bei der Therapie akuter und chronischer Schmerzen ist es üblich und wichtig, den Schmerz verschiedenen krankhaften Mechanismen zuzuordnen. Diese Zuordnung sollte im Hinblick auf eine sinnvolle und wirksame Therapie stets versucht werden. Je nach Schmerzart kann die Schmerztherapie variieren. Es wird hierbei zwischen folgenden Schmerzarten unterschieden:

  • Nozizeptorschmerz: Bei einer traumatischen, entzündlichen oder tumorösen Gewebeschädigung kommt es zur direkten Erregung der Schmerzrezeptoren. Es wird von einem Nozizeptorschmerz gesprochen. Schmerzzustände ausgehend von einem entzündlich veränderten Gelenk, z.B. Kniegelenk oder auch Wirbelgelenk gehören in diese Kategorie. Diese Zustände sind eine typische Indikation für (antipyretische) Analgetika.

  • Neuropathischer Schmerz: Eine Schmerzimpulsauslösung findet normalerweise nur in der Nervenendigung (Schmerzrezeptor) statt. Die Nervenfasern sind nur für die Weiterleitung des Impulses verantwortlich. Bei einer Schädigung einer solchen Nervenfaser kann aber auch in deren Verlauf eine Impulsauslösung stattfinden. Die Schmerzempfindung wird dabei in das Ursprungsgebiet des Nerven projiziert und dies entspricht nicht dem Läsionsort (Schmerzprojektion). In diesen Fällen wird von einem neuropathischen Schmerzen gesprochen. Neuropatische Schmerzen können anfallsartigen, einschiessenden Charakter oder brennenden, dumpfen Charakter haben. In diese Schmerzgruppe gehört der bekannte Ischiasschmerz oder auch die Trigeminusneuralgie, in beiden Fällen wird ein Bündel von Nervenfasern durch einen äusseren Reiz irritiert. Bei den neuropathischen Schmerzen haben die klassischen Analgetika oft wenig Erfolg. Falls sich die Schmerzursache nicht kausal beseitigen lässt, kommen hier schmerzdistanzierende Massnahmen (Antidepressiva) in Frage.

  • Deafferenzierungsschmerz: Das klassische Beispiel für den Deafferenzierungsschmerz ist der Verlust einer ganzen Extremität oder etwa der Ausriss eine Nervenplexus aus dem Rückenmark. Die Schaltstelle am Rückenmark erhält jetzt keine Informationen mehr aus der Peripherie und es entwickelt sich eine Spontanaktivität. Dadurch kann es zu sehr schweren Schmerzsymptomen kommen. In diese Schmerzkategorie gehören auch die so genannten Phantomschmerzen. Leider haben klassische Analgetika hier wenig Erfolg, als Therapie eignen sich Mittel gegen Epilepsie.

  • Reflektorischer Schmerz: Zu den reflektorischen Schmerzen gehören zum Beispiel Schmerzsymptome auf Grund einer gestörten Motorik. Durch eine Muskelverspannung kann es zu Erregungen von Schmerzrezeptoren kommen. Die auftretenden Schmerzen verstärken wiederum die Muskelverspannung und so weiter. Über einen solchen „Teufelskreis“ kommt es zu Muskelhartspann und Muskelschmerzen. Muskuläre Verspannungen sind meist durch unphysiologische Belastungen oder Bewegungsabläufe durch Wirbelsäulen-Fehlhaltungen, muskuläre Schwäche oder Trauma bedingt. Es kommt zu einer reflektorischen Anspannung der Muskulatur und schliesslich zur Verkürzung des Muskels. Diese Anspannung kann schliesslich auch dann bestehen bleiben, wenn die eigentliche Grundursache bereits beseitigt ist. Therapeutisch wirken hier analgetische Medikamente kaum, indiziert sind hingegen mobilisierende und lockernde Massnahmen (z.B. chiropraktorische Behandlung).

  • Psychosomatischer Schmerz: Körperliche Schmerzen können auch Ausdruck einer seelischen Belastung sein. Als Beispiel für diese psychosomatischen Schmerzen sind bestimmte Kopfschmerzformen zu nennen. Solche psychosomatische Schmerzen sprechen auf eine Änderung der Lebensführung und auf eine psychologische Schmerztherapie an. In bestimmten Fällen kann eine medikamentöse Therapie indiziert sein. Die Häufigkeit rein psychogener Schmerzen wird jedoch meist weit überschätzt. Im Rahmen eines chronisch-organisch bedingten Schmerzsyndroms gewinnen meist psychische Komponenten in der Schmerzverarbeitung und Schmerzmodulation an Bedeutung, so dass im Laufe der Zeit ein Mischbild aus somatischen, somatopsychischen und psychosomatischen Schmerzen vorliegt.

  • Viszeraler/somatischer Schmerz: Nach ihrem Entstehungsort können Schmerzen in viszerale und somatische Schmerzen unterteilt werden. Viszerale Schmerzen gehen von den Eingeweiden aus. Der Viszerale Schmerz ist dumpf, tief im inneren des Körpers und schlecht lokalisierbar. Er ist öfters von vegetativen Reaktionen begleitet. Der viszerale Schmerz strahlt häufig in eine korrespondierende Zone an der Körperoberfläche aus. Typische viszerale Schmerzen treten zum Beispiel bei einer Gallenkolik oder bei einem Magengeschwür auf.

    Der somatische Schmerz hingegen lässt sich in einen Tiefen- und Oberflächenschmerz unterteilen. Der Tiefenschmerz stammt aus Muskeln, Bindegewebe und Gelenken. Er ist eher dumpf und neigt zu Ausstrahlungen und kann von vegetativen Erscheinungen begleitet sein. Typische Tiefenschmerzen sind zum Beispiel Muskelkrämpfe oder Kopfschmerzen. Der Oberflächenschmerz entsteht bei einer Reizung der Haut oder Schleimhaut. Beim Oberflächenschmerz kann ein heller, gut lokalisierbarer erster Schmerz von einem danach Auftretenden zweiten Schmerz mit dumpfem Charakter unterschieden werden. Der Erstschmerz dient vorallem der Auslösung von Fluchtreflexen, der Zweitschmerz ist Affektbeladen und überdauert den Reiz.

  • Übertragener Schmerz: Im Bereiche des Rückenmarkes laufen die verschiedenen Informationen aus inneren Organen und bestimmten Hautarealen auf einem gemeinsamen, hirnwärts ziehenden Nervenstrang. Im Zentralnervensystem kann daher nicht mehr unterschieden werden, wodurch diese Erregung ausgelöst wurde, ob durch eine Stimulation im Bereiche der Haut oder durch eine Stimulation des entsprechenden inneren Organs. Da der Körper jedoch gelernt hat, dass Reize nahezu immer aus der Haut stammen, nimmt er dies auch in den Situationen an, in denen Ausnahmsweise ein Schmerzreiz im Bereiche des inneren Organs vorliegt. Es wird vom übertragenen Schmerz gesprochen.

    Ein typischen Beispiel für einen übertragenen Schmerz ist zum Beispiel der Herzinfarkt. Hierbei wird der Schmerz oft im linken Arm empfunden. Bei Erkrankungen der Gallenblase oder der Leber wird der Schmerz oft in die Schulter übertragen. Bei Erkrankungen eines inneren Organs kann im Bereiche der Haut der entsprechenden Zone eine verstärkte Schmerzempfindung bestehen.