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Interventionelle Schmerztherapie | Schmerzdefinition


Schmerz - ein komplexes Phänomen unserer Wahrnehmung

  • Definition: Die Internation Association for the Study of Pain definiert den Schmerz als „eine unangenehme Sinnes- und Gefühlserfahrung, die mit tatsächlicher oder drohender körperlicher Schädigung verbunden ist, oder mit den Worten einer solchen Schädigung beschrieben wird“. Damit wird ein sehr komplexes Phänomen unserer Wahrnehmung an der Schnittstelle zwischen Körper und Geist beschrieben. Aus dieser Definition geht hervor, dass es sich beim Schmerz nicht um die blosse Sinnesempfindung wie Wärme oder Berührungsempfindung handelt. Schmerzwahrnehmung erfordert Bewusstsein und Erfahrung und ist somit an den Wachzustand gebunden. Schmerz ist somit ein Produkt unseres Gehirns und muss von den Vorgängen der Sinnesempfindungen in der Peripherie unterschieden werden. Als Schmerzempfindung gilt die Registrierung schädigender Reize und ihrer Weiterleitung ins zentrale Nervensystem.

    Die Differenzierung zwischen Schmerz als bewusste Wahrnehmung und Schmerzempfindung als periphere Registrierung eines schädigenden Reizes, erklärt nun den Umstand, dass Schmerzen vom Patienten beschrieben werden können, ohne dass ein unmittelbarer Schmerzreiz vorliegt - Schmerz als Produkt des Gehirns.

  • Akuter Schmerz: Der akute Schmerz hat eine sinnvolle und lebenserhaltende Funktion. Er dient dazu, Beschädigungen des Organismus zu melden. Eine solche Schmerzwahrnehmung löst entsprechende Schutzreaktionen aus, wie z.B. im Wegziehen der Hand von heissen Herdplatte. Dadurch wird eine weitere Beschädigung des Organismus verhindert. Der akute Schmerz fördert auch die Wundheilung, indem z.B. eine verletzte Extremität schmerzbedingt ruhig gestellt wird. Der akute Schmerz wird zumeist als sinnvoll erkannt. Die psychische Verarbeitung eines akuten Schmerzes ist daher relativ einfach. Der Patient kann an einer oftmals schnell abnehmenden Schmerzintensität den Heilungsverlauf erkennen. Akute Schmerzzustände für die meisten Mitmenschen nachvollziehbar und finden Verständnis. Die Therapie eines akuten Schmerzes stellt im Normalfall kein grösseres therapeutisches Problem dar.

  • Chronischer Schmerz: Der chronische Schmerz hat dagegen diese sinnvolle Melde-, Schutz- und Heilfunktion verloren. Ein chronischer Schmerz wird zur eigenständigen Schmerzkrankheit. Als chronischer Schmerz wird häufig ein Schmerz bezeichnet der länger als 6 Monate besteht.

    Chronischer Schmerz führt zur physischer, psychischer und sozialer Zermürbung des Patienten. Es kann zur schmerzbedingter depressiver Verstimmung, Reizbarkeit, Schwäche, Interesselosigkeit und vermindertem sozialem Kontakt kommen. Die Aufmerksamkeit wird von der Umwelt weg auf den eigenen Körper gerichtet. Chronische Schmerzzustände sind für die meisten Mitmenschen nur schwer nachvollziehbar und finden auf Dauer nur wenig Verständnis. Die Therapie chronischer Schmerzzustände wirft oft grosse therapeutische Probleme auf.

 

Physiologie des Schmerzes

  • Erregen der Schmerzrezeptoren: Vorallem in der Haut, aber auch in anderen Geweben liegen Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren), die eine Verletzung registrieren und an das zentrale Nervensystem weiterleiten. Bei den Schmerzrezeptoren handelt es sich um freie Nervenendigungen. Viele Schmerzrezeptoren reagieren auf verschiedene Reizqaulitäten, z.B. auf mechanische Reize (Druck, Zug) und thermische Reize (Hitze, Kälte). Ein Schmerzreiz kann nicht nur von aussen auf den Körper einwirken, auch im Körper selbst können durch körpereigene Substanzen (Entzündungsmediatoren) chemische Schmerzreize ausgelöst werden.

  • Schmerzleitung: Schmerzreize werden aus der Körperperipherie über zwei Typen von Nervenfasern zum Rückenmark geleitet. Die sogenannten Deltafasern übertragen scharfen, umschriebenen, schnellen Schmerz, C-Fasern hingegen leiten den dumpfen, schlecht abgenzbaren, peinigenden Schmerz zum Rückenmark. In bestimmten Arealen des Rückenmarkes wird nun die Erregung auf eine zweite Nervenzelle umgeschaltet. Durch aufsteigende Bahnen wird der Schmerzreiz über den Hirnstamm zum Thalamus geleitet (Umschaltstation des Gehirns). Vom Thalamus aus bestehen Verbindungen zur Hirnrinde, wo der Entstehungsort des Schmerzes erkannt wir. Vom Thalamus aus ziehen auch Verbindungen zum Limbischen System, wo der Schmerz bewusst wahrgenommen wird und assoziierte Gefühlsregungen auslösen kann. Ausserdem bestehen Verbindungen zur Hypophyse (Hirnanhangdrüse) von wo aus bei Schmerzen körpereigene Morphine ins Blut ausgeschüttet werden.

    An der Schmerzverarbeitung sind also zahlreiche Strukturen des Zentralnervensystems beteiligt. Ein eigentliches Schmerzzentrum existiert nicht!

  • Verarbeitung von Schmerzimpulsen: Lange wurde angenommen, dass diese anatomischen Schmerzpfade fest verdrahtet seien. Heute weiss man, dass sie durch absteigende Nervenbahnen und eine Reihe von Hormonen reguliert und laufend moduliert werden. Das ganze Schmerzsystem ist damit ausserordentlich plastisch. Über verschiedene Mechanismen hinterlässt die sensorische Erfahrung auf allen Schaltebenen ihre Spuren. Man spricht vom Schmerzgedächtnis, das manchmal nur kurze Zeit überdauert, manchmal aber auch irreversibel eingebrannt bleibt.

    Aus der täglichen Erfahrung ist bekannt, das keineswegs eine lineare Beziehung zwischen Reizintensität und empfundener Schmerzintensität besteht. So können z.B. Angst oder Motivation die subjektive Schmerzintensität stark beeinflussen. Die Schmerzimpulse werden auf vielen Ebenen des zentralen Nervensystems moduliert.